Mo, 3. August 2026

Codekreis: Neuer stellv. Vorsitz im Interview

Avatar von Linus Kreh
Linus Kreh
Entwickler. Gestalter. Autor.
Avatar von Hagen
Hagen
Stellv. Vorsitz, Codekreis

Zum zweijährigen Jubiläum hatte ich angekündigt, dass der Codekreis erstmals einen stellvertretenden Vorsitz bekommen wird. Bei der Besetzung war klar: Diese Rolle braucht jemanden, der fachlich stark ist, Verantwortung übernimmt und den Blick konsequent nach vorne richtet.

Mit Hagen beginnt nun ein neuer Abschnitt. Er bringt Erfahrung, Energie und Ideen mit, die den Codekreis weiter voranbringen. Gemeinsam machen wir deutlich: Die Informatik in Bremerhaven steht an einem Wendepunkt — und das, was jetzt beginnt, wird nicht einfach eine Fortsetzung des Alten.

Im Interview stellt sich Hagen einigen Fragen. So gibt es die Möglichkeit, ihn näher kennenzulernen, mehr über seine Geschichte zu erfahren und einen Einblick in die Interessen zu bekommen, die ihn antreiben.

🛤️ Werdegang und Weg zum Codekreis

Wie war dein bisheriger Werdegang? Und was hat dich nun zum Codekreis geführt?

Mein Lebenslauf ist nicht gerade der klassische Informatik-Track. Ich habe mein Abitur an einem technischen Gymnasium mit Schwerpunkt Maschinenbau gemacht und danach einige Semester Physik an der Universität Konstanz studiert. Parallel habe ich in der Gastronomie gearbeitet, daraus wurde schließlich eine Ausbildung zum Koch und rund zehn Jahre in diesem Beruf.

Heute studiere ich im vierten Semester Informatik an der Hochschule Bremerhaven. Auf dem Papier wirkt dieser Weg vielleicht etwas wild, für mich zieht sich aber ein ziemlich klarer Faden hindurch: Mich hat schon immer interessiert, wie komplexe Systeme funktionieren und wie man Probleme löst, wenn es keine fertige Anleitung gibt.

An der Hochschule habe ich Linus kennengelernt und bin dadurch zum Codekreis gekommen. Mit etwas Engagement, Eigeninitiative und einer gewissen Hartnäckigkeit bin ich dann relativ schnell in die Rolle des stellvertretenden Vorsitzenden gerutscht.

🤝 Rolle als stellv. Vorsitz

Du bist noch nicht so lange dabei wie bspw. andere Mitglieder. Warum bist du trotzdem der Richtige für diese Rolle?

Ich bin vielleicht nicht das dienstälteste Mitglied, bringe dafür aber einiges an Lebens- und Berufserfahrung mit. Eine professionelle Küche ist ein ziemlich direkter Crashkurs in Organisation, Kommunikation und Krisenmanagement. Wenn gleichzeitig fünf Dinge schieflaufen, lernt man schnell, Prioritäten zu setzen und Verantwortung zu übernehmen.

Außerdem organisiere ich tatsächlich gern. Ich strukturiere Abläufe, bringe Leute zusammen und bleibe an Ideen dran, bis daraus etwas Konkretes wird. Dadurch können sich technisch erfahrenere Mitglieder stärker auf unsere Projekte konzentrieren.

Ich muss nicht bei jedem Thema der klügste Mensch im Raum sein. Meine Aufgabe ist eher, dafür zu sorgen, dass der Raum funktioniert und aus guten Ideen nicht nur ewige Gesprächsrunden werden.

🧠 Interessensschwerpunkte in der Informatik

Welche Themen aus der Informatik interessieren dich besonders?

Mich interessiert vor allem, was unter der Oberfläche passiert. Ich bin nicht zufrieden, wenn ein Programm einfach nur funktioniert. Ich will verstehen, warum es funktioniert, was darunter passiert und wie die einzelnen Schichten eines Systems ineinandergreifen.

Deshalb interessieren mich besonders Betriebssysteme, Netzwerke, IT-Sicherheit und hardwarenahe Entwicklung. Ich gehe gern bis zum Metall herunter und zerlege vermeintliche Blackboxes so lange, bis sie keine mehr sind.

Ein zweiter großer Schwerpunkt ist für mich künstliche Intelligenz beziehungsweise Machine Learning. Damit beschäftige ich mich schon seit meiner Schulzeit. Heute interessiert mich besonders, wie man moderne KI-Werkzeuge produktiv einsetzt, ohne das eigene Denken an sie auszulagern. Ich möchte Menschen dabei helfen, diese Werkzeuge nicht nur zu bedienen, sondern ihre Möglichkeiten und Grenzen wirklich zu verstehen und damit schöne Dinge zu erschaffen.

🤖 Einschätzung zum Einsatz künstlicher Intelligenz

Es ist mittlerweile kaum noch möglich über Informatik zu sprechen, ohne dass der Begriff KI fällt. Wie ist deine Meinung zum Einsatz von künstlicher Intelligenz?

KI ist für mich vor allem ein Verstärker. Sie kann gute Arbeit erheblich beschleunigen, aber sie kann auch Ahnungslosigkeit deutlich produktiver machen.

Gerade agentengestützte Werkzeuge verändern die Softwareentwicklung bereits massiv. Richtig eingesetzt helfen sie beim Planen, Implementieren, Testen und Analysieren von Software. Sie ersetzen aber nicht das fachliche Verständnis. Wer den erzeugten Code nicht beurteilen kann, entwickelt nicht plötzlich besser, sondern produziert im schlimmsten Fall einfach schneller schlechte Software.

Für kleine Teams, Vereine und Unternehmen liegt darin trotzdem eine enorme Chance. Heute können wenige Menschen Projekte umsetzen, für die früher erheblich mehr Personal und Kapital notwendig gewesen wären. Dadurch können auch kleinere Akteure gute Ideen verwirklichen, die früher an fehlenden Ressourcen gescheitert wären.

🛠️ Wiederbelebung der Informatik in Bremerhaven

Die Informatikbezogenen Angebote aus Bremerhaven sind in einem katastrophalen Zustand. Wie willst du die Informatik in Bremerhaven wieder mit Leben füllen?

Mit einer einzelnen Großveranstaltung im Jahr baut man noch keine lebendige Community auf. Dafür braucht es vor allem regelmäßige und niedrigschwellige Angebote.

Ich denke dabei an offene Treffen, Workshops oder einen Informatik-Stammtisch, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek oder den Jugendzentren. Dort sollen nicht nur erfahrene Entwickler auftauchen. Auch jemand, der noch nie programmiert hat, eine technische Frage mitbringt oder einfach neugierig ist, sollte ohne Hemmschwelle vorbeikommen können.

Ergänzend wollen wir größere Formate wie unser Coding Weekend organisieren. Wichtig ist die Verbindung aus beidem: regelmäßige Begegnungen und besondere Veranstaltungen, bei denen gemeinsam tatsächlich etwas gebaut wird. So können Menschen zusammenkommen, Ideen ausprobieren und voneinander lernen.

🌐 Neuer Webauftritt als One-Page-Website

Dass die neue Website als One-Page-Website umgesetzt wurde, war eine deiner Ideen. Was steckt hinter dem brandneuen Webauftritt und was soll damit erreicht werden?

Eine Community-Website sollte kein Escape Room sein. Wer die Seite besucht, will im Grunde nur wenige Dinge wissen: Wer seid ihr, was macht ihr, wann passiert etwas und wie kann ich mitmachen?

Genau diese Fragen soll die neue Website möglichst direkt beantworten. Deshalb haben wir uns für eine One-Page-Website entschieden. Statt Informationen hinter mehreren Menüs und Unterseiten zu verstecken, findet man die wichtigsten Inhalte gebündelt auf einer übersichtlichen Seite.

Die Website soll dabei nicht nur erklären, dass es den Codekreis gibt. Sie soll sichtbar machen, was bei uns tatsächlich entsteht: aktuelle Veranstaltungen, laufende Projekte und konkrete Möglichkeiten, sich einzubringen. Besucher sollen möglichst schnell verstehen, was wir machen und wie sie dabei sein können.

🚀 Ausblick auf kommende Aktivitäten vom Codekreis

Worauf können wir uns in naher Zukunft freuen? Kannst du uns vielleicht einen kleinen Einblick in zukünftige Aktivitäten von Codekreis geben?

Das Coding Weekend hat in der Vergangenheit gezeigt, wie viel entstehen kann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen für ein paar Tage gemeinsam an Ideen arbeiten. Deshalb möchte ich dieses Format wieder aufgreifen und weiterentwickeln.

Daneben denke ich an regelmäßige, offene Treffen, bei denen man ohne Anmeldung oder besondere Vorkenntnisse vorbeikommen kann: mit einem eigenen Projekt, einer technischen Frage oder einfach aus Neugier.

Langfristig wollen wir in Bremerhaven eine dauerhaft aktive Informatik-Community aufbauen: einen Ort, an dem Wissen geteilt wird, Menschen voneinander lernen und gute Ideen nicht daran scheitern, dass jemand allein vor ihnen sitzt. Der Codekreis soll dabei nicht nur Veranstaltungen organisieren, sondern Menschen miteinander verbinden und ihnen die Möglichkeit geben, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.